Interview

Interviewfragen Elke Naters & Sven Lager: »Was wir von der Liebe verstehen«

1. Wann seid Ihr zum ersten Mal auf die Idee gekommen, gemeinsam, sprich als Paar, ein Buch zu schreiben?

Sven: Wir beide schreiben unabhängig voneinander und sprechen doch ständig über unsere Ideen und Geschichten. Wir brauchen unseren Rat und unsere Ruhe und dieses Leben zusammen, unser Lieben, unsere Kinder, unsere Arbeit ist im Grunde die spannenste Geschichte, denn das Leben ist größer als jeder Roman. Wir schrieben in „Durst, Hunger, Müde“ zusammen Geschichten über unser Leben mit Kindern und die unmöglichen Fragen der Erziehung..

2. Wie kam es dazu, dass Ihr Euch dazu entschlossen habt, Eure Liebe zum Thema zu machen?

Sven: Nach 12 Jahren als Paar, Liebende und Familie dachten wir, wir wüssten was Liebe ist als wir schließlich heirateten. Warum schreiben wir nicht auf, was wir wissen, dachten wir überheblich. Wir wollten von Anfang an zwei Seiten beschreiben und haben so unabsichtlich einiges vom anderen beim Schreiben über die Liebe gelernt.

3. An welche Leser richtet sich das Buch?

Elke: An alle Menschen, die an die Liebe glauben, aber immer wieder an ihr scheitern.
An alle, die glauben, Trennung sei eine Option und die hoffen mit einemneuen Mann, einer neuen Frau wird alles besser
An alle, die sich lieben und trotz aller Schwierigkeiten zusammenbleiben..
An alle Paare, die nach Jahren immer noch zusammen sind während sich alle um sie herum trennen und sich fragen, sind wir verrückt oder die Welt um uns herum.
Sven: An Einsame, die glauben, die Liebe wäre die Rettung. An Paare, die seit Jahren in Beziehungen leben statt in Liebe. An Lebensmüde und glückliche Liebespaare, die alles haben und doch über Lächerliches streiten.

4. Über die Liebe zu seinem Partner zu schreiben, ist sehr persönlich. War es einfach für Euch, Eure Geschichte, Eure Gedanken, Ängste und Wünsche aufzuschreiben und damit Euren Lesern einen Einblick in Eure Privatsphäre zu gewähren?

Sven: Es war sehr schwer, weil es ans Eingemachte ging. Wir wollten uns nicht hinter abstrakten Weisheiten verstecken, wir wollten gestehen. Und je weiter wir ins Buch gerieten, desto mehr musste aufgedeckt und erklärt werden. Aber wir wussten, dass es der einzige Weg ist für den Leser, sich verstanden zu fühlen. So wie man mit Freunden zusammensitzt und ehrlich ist und dabei lächerlich und entwaffnend sein kann.

Elke: Das Schreiben bekam so eine Eigendynamik, die ging in die Richtung: Jetzt schreib ich mal, wie es wirklich ist. Als wir uns die ersten Texte gegenseitig zum Lesen gaben, waren wir beide überrascht, sagten aber nichts, sondern lobten uns gegenseitig und brodelten leise vor uns hin, bis wir explodierte. Wir stellten fest, daß wir so nicht weiterschreiben konnten. Daß wir tiefer gehen mußten, wenn wir an die Wahrheit rankommen wollen. Im Laufe der Jahre schummelt man sich eine Geschichte zusammen, die schön aussieht, aber wenn man genauer hinsieht, sieht man plötzlich die faulen Stellen. Wir sind erst erschrocken über den Abgrund, der sich auftat und ich hätte den am liebsten den Deckel gleich wieder zugemacht, aber das genaue Hinsehen brachte auch viel Klarheit, Einsicht und Verständnis.Und so kam auch die Offenheitund Ehrlichkeit, ohne die das nicht ging.


5. Elke: dachtest Du beim Schreiben an Sven? Dachtest Du daran, was er zu Ihrer Offenheit sagen wird?

Elke: Nein, ich dachte eigentlich immer an meinen früheren Mann, der heute Redakteur ist und über Fussball schreibt. Neulich hatte ich einen Traum, in dem er mich betrügt, meine Geschichtscreme benutzt und mich dann auch noch mit 10 Euro auf einem zugigen Bahnsteig stehen lässt. So ein Idiot.
Nein, nur Spaß. Ehrlich gesagt, ich dachte, Sven weiß das alles. Der weiß, was ich denke, ich sags ihm ja oft genug. Tatsächlich waren wir beide überrascht, er mehr als ich. Das liegt daran, daß er mir nie zuhört.

6. Sven: dachtest Du beim Schreiben an Elke? Machtest Du dir Gedanken darüber, wie deine Frau auf deine Ehrlichkeit im Hinblick auf eure Beziehung reagieren wird?

Sven: Wir rannten blind in dieses Buch hinein. Ich vor allem. Voller Enthusiasmus und fest überzeugt, dass wir uns ALLES erzählen können, dass wir schon ALLES durchgemacht haben. Ich war baff, wenn ich etwas von Elke las und sie ebenso, wenn sie etwas von mir las. Wie wenig kannten wir uns all die Jahre!? Wir haben viel gelernt und glücklicherweise haben wir ein paar Geheimnise bewahrt.

7. In eurem Vorwort schreibt ihr, dass am Anfang, als der Entschluss feststand, dieses Buch zu schreiben, vieles klar und einfach war. Ihr berichtet aber auch, dass eure Beziehung, je länger Ihr über euch und eure Liebe schriebt, immer schwieriger wurde und dass ihr erst über den Prozess des Schreibens wieder zueinanderfinden musstet. Wie kam es dazu?

Elke: Die Idee zu diesem Buch entstand aus einer Euphorie heraus: Hey, sieh uns an, wir haben es geschafft lass uns der Welt mitteilen, wie man das macht, mit der Liebe. Aber je mehr wir schrieben, desto weniger toll sah alles aus. Von allen Seiten tauchten Schwierigkeiten und Missverständnisse auf, je tiefer wir bohrten, desto hässlicher wurde es. Das war furchtbar. Wir kamen zu einem Punkt, da war es unmöglich ein Buch zu schreiben, wie wir es geplant hatten, weil wir es ganz und gar nicht geschafft haben. Wir waren gerade erst am Anfang. Aber wir liebten uns, trotz allem. Das war das einzige, was noch stimmte und aus „seht her, wir haben es geschafft und wir sagen euch wie es geht“, wurde glücklicherweise ein: „Wenn wir es schaffen, dann kann es jeder schaffen“..

8. Soll bzw. kann euer Buch als Ratgeber verstanden werden, wie man eine Beziehung in unserer heutigen Gesellschaft auch über die Jahre hinweg leben kann?

Elke: Ratgeberbücher, vor allem solche über die Liebe, versteckt man ganz hinten in seinem Bücherregal. Schon allein deshalb ist dieses Buch kein Ratgeber Es ist ein Geständnis und ein Plädoyer für die Liebe. Wir schreiben nicht, wie man es richtig macht, sondern, was wir, falsch gemacht haben, und wir hoffen, dass der Leser aus unseren Fehler lernen kann.
Wir wollten vor allem Missverständnisse beseitigen, die wir selbst auch von der Liebe hatten.

Sven: Es ging uns auch um ein paar Wahrheiten der Liebe, die wir und andere so nicht kannten.

Elke: Da ist dieses große Ding, die große Liebe, da muss alles perfekt und großartig sein, und wenn es nicht ist, dann ist die Liebe nicht groß genug. Aber wir sind alle unperfekt und oft gar nicht großartig. Das ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Wir wollen zeigen, daß wir beide mit unserer Unperfektion, unseren Fehlern, unseren Unterschieden, es geschafft haben, uns über die Jahre immer noch so zu lieben. Obwohl wir uns streiten und manchmal nicht ausstehen können, sogar unlösbare (bis jetzt) Konflikte, und gelegentlich kein Geld oder keinen Sex haben. All diese Schwierigkeiten, die so viele Paare dazu bringen sich zu trennen. Daran kann man sich reiben, daran muß man wachsen, aber die Liebe darf darunter nicht leiden, weil die Liebe größer ist als wir selbst und unsere selbstbezogenen kleinlichen Reibereien. Das muss man trennen und die Liebe schützen.

9. Seht Ihr selbst Eure Beziehung als Vorbild für andere?

Sven: Unsere Liebe schon. Ebenso wie viele andere Lieben ständiges Vorbild für uns sind. Man kann so viel lernen, wenn man entdeckt auf welch wunderbare Weise Menschen sich zu lieben versuchen und wie es ihnen ganz unspektakulär gelingt.

Elke: Wir sind weit davon entfernt perfekt zu sein. Darin können wir vielleicht ein Vorbild sein. Man muß keine perfekte Beziehung haben, um sich zu lieben und zusammen zubleiben. Aber wir trennen die Beziehung von der Liebe. Beziehung ist menschlich, Liebe ist göttlich. Die Liebe ist ein kostbares Geschenk, das es zu erhalten gilt und dazu gehört Respekt und Dankbarkeit.

10. Was darf von Euch beiden in Zukunft erwartet werden? Schreibt Ihr Euer nächstes Buch wieder gemeinsam oder jeder für sich?

Sven: Alles offen

Elke: Ich würde ja gerne mal wieder einen Roman schreiben, aber Sven zwingt mich, auch das nächste Buch mit ihm zu schreiben. Leider darf ich nicht sagen, worum es geht, sonst reißt er mir den Kopf ab. Aber es wird wieder ein Knaller, soviel ist klar.

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